Elisabeth Buxbaum schreibt gern Bücher über Literatur bzw. Literaten, und sie zeigt gern als Reiseleiterin anderen Menschen
sehenswerte Orte. Diese beiden Leidenschaften verbindet sie in der Buchreihe „Reisen & Literatur von A–Z“, eine auf 13 Bände
konzipierte Serie von schmalen Bänden, in denen interessante Gegenden und mit diesen Örtlichkeiten verbundene Schriftsteller
oder Texte vorgestellt werden. Das alles geschieht in einer höchst lesenswerten Prosa, die (literar-)historisches Wissen mit
Selbsterlebtem verknüpft, in ansprechenden kleinen Büchern mit vielen Illustrationen, die man durchaus als Reiseführer im
Rucksack mit sich tragen könnte, wenn man selbst die entsprechenden Lokalitäten besucht. Denn Lust auf Reisen und Lust aufs
Lesen machen die Bände allemal.
Worum geht es?
Der erste Band, A–B, erzählt von einer Schiffsreise in die Antarktis im Jahr 2017, verbunden mit einer satirischen
Schilderung einzelner Reiseteilnehmer und mit selbstkritischen Reflexionen auf die Tourismusindustrie überhaupt. Der
literarische Prätext ist Sebastian Brants Narrenschiff von 1494, der erste deutschsprachige Bestseller seit der Erfindung
des Buchdrucks. Die Antarktisreise nimmt ein unerwartetes Ende, das hier nicht verraten werden soll. Im zweiten Teil des
Buchs geht es um die galizische, heute ukrainische Stadt Brody. Dort besucht Elisabeth Buxbaum das noch erhaltenen Gymnasium,
die Schule, in der Joseph Roth 1913 seine Matura abgelegt hat, ehe er 1914 zu Studium nach Wien ging und seine Karriere als
Journalist und Schriftsteller begann.
Unter dem Motto „Die Zertrümmerung der Welt“ steht der zweite Band, C–D. Die Autorin erzählt von einer Reise nach
Christchurch, Neuseeland, bei der sich ihre Reisegruppe nur infolge einer unvorhergesehenen Änderung des Reiseplans am
22. Februar 2011 um 12.51 nicht in der Kathedrale aufhielt, die zu diesem Zweitpunkt infolge eines schweren Erdbebens
einstürzte. Das Beben, das beinahe zweihundert Todesopfer kostete, gibt die Buxbaum zum Teil in den Worten des
neuseeländischen Schriftstellers Lloyd Jones wieder, der wenige Jahre später darüber ein Buch schrieb; vor allem aber
verknüpft sie es mit dem berühmten Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755, das bis zu 100.000 Opfer gefordert haben könnte
und den Optimismus des aufgeklärten 18. Jahrhunderts schwer erschütterte, was sich vor allem in literarischen Texten
Voltaires niederschlug. Ähnlich tragisch ist die Zerstörung Dresdens in einem Bombenangriff am 13. Februar 1945, jener
Stadt, in der Erich Kästner 1899 geboren wurde. Um Kästners enge Beziehung zu seiner Geburtsstadt – und zu seiner
Mutter – geht es im zweiten Kapitel, das auch an die vergeblichen Warnungen des Lyrikers Kästner vor der Politik der
Nationalsozialisten erinnert, die zur fast völligen Zerstörung des barocken „Elbflorenz“ führen sollte.
Der dritte Band, E–F, widmet sich unter dem Motto „Zu Hause in der Fremde“ Edinburgh und Frankreich. 2022 reiste Buxbaum
nach Schottland, auf den Spuren Theodor Fontanes, der seinerseits 1858 von London aus, wo er schon seit mehreren Jahren
lebte, Schottland auf den Spuren seines großen Vorbilds Walter Scott besucht hatte. Mit Fontanes Reisebericht im Gepäck
klappert die Autorin die Sehenswürdigkeiten in und rund um Edinburgh ab. In Frankreich, genauer, in Paris und seiner
unmittelbaren Umgebung, folgt sie dagegen den Spuren Heinrich Heines und sucht all seine Wohnorte auf, von seiner ersten
Adresse im Hotel de Luxembourg bis zur „Matratzengruft“ seiner letzten Lebensjahre und zu seinem Grab auf dem Cimetière
de Montmartre. Viele Textpassagen Heines lassen sein Pariser Leben vor unseren Augen entstehen.
In Band 4, G–H werden wir zuerst nach Griechenland geführt, das der deutsche Dichter Gerhart Hauptmann 1907 bereiste.
Mit Hauptmanns Reisebericht
Die Buchreihe verknüpft, wie gesagt, Reiserzählungen mit literarhistorischen Informationen. Auf die weiteren Bände können
wir uns freuen.